Zwergenaufstand! - Rebellion von Zwerg acht...
| ...die ganze Wahrheit und noch viel mehr...
Wenn Sie zu jenen gehören, die mein erstes Buch
"Wer hat Angst vorm bösen Wolf" schon gelesen haben, so
danke ich Ihnen hierfür ganz herzlich und hoffe, es hat
Ihnen gefallen und vor allem weitergeholfen.
Sollten Sie es noch nicht gelesen haben und die Seiten einfach zur
Info lesen, so danke ich Ihnen herzlich für für Interesse und
hoffe, Ihnen gefällt mein Internetangebot.
Sollten Sie sich einfach verklickt haben, so heiße ich Sie
herzlich Willkommen auf meiner kleinen Website.
Lesen Sie einfach drauf los, lesen Sie von meiner neuen Geschichte...
"Reality-Doku" heißt das Schlagwort heute. Nicht nur berichten,
sondern vor Ort dabei sein. Das macht Spaß und ist ein anderes
Erleben einer Geschichte.
Und genau in dieser Art habe ich einige neue Zeilen geschrieben.
Die Leser meines ersten Buches dürften den Beginn der
Geschichte inhaltlich kennen.
Beim Zwergenaufstand bin ich jedoch weiter ins Detail gegangen, als zuvor,
hauchte der Geschichte ein Eigenleben ein, die nun nicht nur "berichtet". Sie unterhält, sie reißt mit.
Mit ihr sitzen Sie VOR der Ersten Reihe.
Direkt dabei im Zwergenwald...
Beschwörungsrituale der bösen Geister sind ebenso in der
Geschichte vertreten, wie neue Hintergrunddetails, die in meinem
ersten Buch einfach noch nicht den Platz gefunden haben.
Außerdem endet die Erzählung von "Wer hat Angst vorm bösen Wolf" im Jahr 2002.
Was danach geschah... - lesen Sie selbst...!
Von Beschwichtigungstänzen, großen Koalitionen, und und und...
Der Zwergenaufstand ist eine Geschichte
von meinem Weg aus der Angst, gefüllt mit spritzigen und hilfreichen
Reimen, bildhafter Sprache, ausdrucksreicher Erzählung, märchenhafter Phantasie und krimireicher Spannung...
Ein wahrer Seelenkrimi eben...
...
Es war einmal ein kleiner junger Zwerg, der war nicht wie all die anderen.
Der war anders, suchte nicht nach Drachen, mit denen er kämpfen konnte. Vielmehr wollte er sie beschützen.
Er war nicht darauf aus, nach Goldklumpen Ausschau zu halten, sondern bewunderte den Schatz, den Wiesen, Berge und das große Land für ihn bereit hielten.
Er aß auch gerne das eine oder andere Stück Lebkuchen, wobei er sich aber von Hexen deutlich entfernt hielt. Durch den Genuss der Süßigkeit war er etwas kräftiger gebaut und scheute den einen oder anderen Weg hinauf über die sieben Berge, da ihm die Kraft dazu fehlte.
Seine Lehrer wollte er ebenso nicht an der Nase herumführen, ihnen keine Streiche spielen – schließlich waren das Erwachsene und die konnten ihm noch etwas beibringen. Also, warum sollte er sie gegen sich aufbringen?
Den Zwergen seiner Gruppe, in die er einfach gesteckt worden war, gefiel dies absolut gar nicht. Keine Streiche, keine Bergbesteigungen, keine Drachenkämpfe und auch kein Goldrausch…er war einfach nicht wie sie!
Und schließlich waren sie schon zu Siebt. Ein achter Zwerg? – Nein, das konnte es einfach nicht geben.
Also waren sie stets damit beschäftigt, ihm sein Tellerchen zu stehlen, ihn aus dem Bettchen zu werfen und sein Becherchen umzustoßen. Er war nicht wie sie, also durfte er auch nicht hier leben! Und sie wollten, dass er ging. – Besser gestern als heute…
Dem armen Zwerg lag jeder neue Tag mehr und mehr im Magen, als hätte er hunderte Mühlsteine gegessen. Doch wo sollte er hin? Er musste zu den Mit-Zwergen, hatte gar keine andere Wahl. Auf Bestimmung des Königs.
Ein Schneewittchen, das die sieben Verbündeten hätte bekehren und den achten Zwerg integrieren können, war nicht in Sicht.
Also klammerte er sich an einige Schäfchen, die im Umfeld des Zwergenheims grasten. Diese waren anfangs sehr nett zu ihm. Doch bald bemerkte er, dass auch sie nur Wolf, Fuchs und Schlange im Schafspelz waren.
Immer, wenn die sieben Zwerge mal wieder dem achten Zwerg das Stühlchen mit Honig beschmierten, das Jäckchen versteckten und ihm mit falschen Fährten den Weg aus dem dunklen Wald der Angst vorgaukelten, waren auch die Schäfchen zur Stelle. Und sie entpuppten sich sehr schnell, zeigten ihr wahres falsches Fuchsgesicht.
Es vergingen die Jahre und der Junge wurde immer ängstlicher. Er ging schon lange nicht mehr hinaus auf die Wiesen, die inzwischen zugewuchert waren mit dunklen, dornigen Hecken.
Zu bösen wolfsähnlichen Wesen hatten sich die sieben Zwerge in jener Zeit entwickelt, hatten ihrem Sitznachbarn oftmals den bitteren Saft der Feindschaft eingeschenkt.
Und er hatte sich mehr und mehr zurückgezogen aus dem zwischenzeitlich gewachsenen Wald vor seinem kleinen Kämmerchen.
Endlich kam der Tag, an dem er wohl alles hinter sich lassen konnte. Die Zwerge waren nun groß, die Schäfchen auch, und jeder sollte seinen eigenen Weg gehen.
Doch was tat der achte Zwerg, jener kleine Junge, der nun plötzlich groß sein sollte? Er stand vor dem großen dunklen Waldweg und suchte die Brotkrumen, die ihn weiterführten. Und er fand keine!
Dazu hätte er wohl noch tiefer in den Wald vordringen müssen. Doch so recht brachte er es nicht über sich, den Wald zu betreten.
Die Sache mit den Brotkrumen kannte nun schließlich auch jedes kleine Zwergenkind. Mitten im Wald pickten die Vögel die Krumen auf. Und was war dann? Dann stand der Reisende nicht nur sprichwörtlich im Wald…
Und was, wenn ihm einer der Zwergenwölfe wieder über den Weg lief?
Oder ein Fuchs? Was, wenn ihn ein solcher wieder in die falsche Richtung führte?
So entschloss sich der Junge, in seinem Heim zu bleiben. Niemand war bisher von Wölfen in seiner kleinen Burg überfallen worden. Außer vielleicht die sieben Geißlein, doch wer öffnete schon einem Wolf die Tür? Er sicherlich nicht. Schließlich kannte fast jeder die möglichen Erscheinungsformen von Wölfen. In Gestalt von Zwergen, Großmüttern, oder eben auch Schafen. Also hielt er einfach alle von sich weg und zog sich zurück.
Die Zeit ging ins Land und allmählich wurden die Vorräte knapp – obwohl er ja eigentlich keine Gäste empfing, die von ihm etwas zu Essen aufgetischt bekommen mussten.
So schwer es für ihn auch zu akzeptieren war – es war an der Zeit, loszuziehen, um Gold zu sammeln und mit diesem dann Vorräte anzulegen.
Also ging der Junge eines Tages – notgedrungen – aus seiner Burg heraus, um den großen Schatz zu finden. Doch bei jedem Schritt im Wald spukten die Geister von einst herum– jene des Wolfes, der Schlange und des Fuchses. Hässliche kleine Zwerge schienen hinter allen Bäumen hervorzuschielen, um nur darauf zu lauern, dass der Reisende sich anders verhielt, als er sich zu verhalten hatte.
Nein, das war nicht die Welt, in der sich ein Zwerg wohlfühlen konnte.
Also ging er flugs wieder zurück in seine sicheren vier Wände.
Doch auch hierhin verfolgten ihn die Geister, die er nie gerufen hatte, spukten durch seinen Kopf.
War dies das Werk einer Hexe? Eines Zauberers?
Es war egal, wer ihm diesen Fluch auferlegt hatte. Er brauchte jemanden, der ihm den Weg wies. Und wer konnte das wohl besser, als…
…eine Fee.
Plötzlich war sie schon da, schwebte vor ihm herum.
„Hallo, junger Zwerg! Ich bin eine gute Fee. Drei Wünsche hast Du frei!“
„Ich möchte meinen Weg finden und gehen!“, antwortete der gestrauchelte Junge.
Die Fee wedelte mit ihrem Zauberstab und der Zwerg hielt eine Landkarte in den Händen, mitsamt einer Fackel für den Weg durch den großen dunklen Wald und einigen sehr seltsam aussehenden Geräten, die ihm die Fee als Mittel gegen die Geister empfohlen hatte.
Sie blickte ihn an.
„Der zweite Wunsch bitte, ich muss noch mehr Zwerge besuchen!“
Der junge Zwerg besann sich und dann kam ihm eine tolle Idee. Das war sicher der endgültige Ausweg aus dem Übel.
„Ich möchte gerne so sein, wie all die anderen Zwerge!“
Die Fee bewegte ihren Zauberstab und der junge Zwerg spürte, wie er mit neuem Gedankengut erfüllt wurde. Sein Bauch war straff, der Rücken gerade, die Haare grün gefärbt und er trug modische Kleidung. Doch so richtig erfüllend war dieser Zauber nicht gewesen.
Schnell sprach er seinen letzten Wunsch aus.
„Ich will endlich glücklich sein.“, sagte er und sein Bauch erschlaffte, die Markenkleidung verschwand, die Haare wurden braun, wie zuvor.
„Was ist passiert?“, fragte der Zwerg.
„Du wolltest glücklich sein und ich habe Dir Deinen Wunsch erfüllt.“
„Aber ich bin nicht mehr wie die anderen!“
„Eben!“, entgegnete die Fee und blickte in verständnislose Augen.
„Du wolltest glücklich sein. Nur der, der ist, wie er ist, ist auch glücklich.“
Was wollte die Fee damit sagen?
„Alle kämpfen gegen Drachen – Du verachtest das! Alle sind darauf aus, so viel Gold, wie nur möglich zu finden. – Dir reicht eine Menge, damit Du damit leben kannst. Alle anderen sind trainiert und spindeldürr, essen keinen Lebkuchen. – Das ist aber Dein Leibgericht. Wie glücklich glaubst Du sind die, die so sind, wie man es von ihnen erwartet? Sie sind nicht sie selbst und können es nie sein. Weil sie so sind, wie die anderen es wollen“
„Aber die sieben Zwerge haben mich ausgegrenzt, weil ich nicht so war, wie sie.“
„Sie waren nicht böse auf Dich, sondern auf sich selbst. Du bist, wie Du sein willst. Sie müssen sein, wie andere es wollen. Wahre Freiheit und wirkliches Glück ist, nicht so zu sein, wie alle sind. Es ist wie mit den Kleeblättern. Fast alle haben nur drei Blätter. Bis auf einige wenige, die vier Blätter besitzen. Und nur die beherbergen das Glück! Der Unterschied macht glücklich!“
Die Fee hatte Recht – ein Glücksgefühl breitete sich im Inneren des deutlich gewachsenen Zwerges aus.
Die Fee verschwand, der Junge ging seinen Weg, wurde erwachsen und das Glück kehrte ein.
Alles ganz einfach?
Stopp! Moment mal!
Alles geschah in etwa so, wie in dem kleinen Märchen geschildert. Hässliche kleine Zwerge hatten ihn in der Schule tatsächlich terrorisiert. Es waren sogar sieben an der Zahl.
Schäflein hatten ebenso umhergegrast und waren hauptsächlich darauf aus gewesen, so viel wie nur irgendwie möglich von ihm abzugrasen und sich gleichzeitig so weit wie möglich abzugrenzen von dem achten Zwerglein.
Und das war ihnen auch relativ gut gelungen all die Jahre.
Auch hatte sich der kleine Jungzwerg nach der Schule relativ zurückgezogen, vertraute auf die dicken schützenden Mauern seines Zuhauses.
Und letztlich musste der kleine Zwergenjunge eines Tages losziehen, um sich den Goldschatz zu erarbeiten, denn er war schließlich kein Lotto-Millionär und konnte auch nicht nur von Luft und Liebe leben.
Nur der Feenzauber blieb zunächst aus – die Fee auch.
Und hier beginnt der erste Schritt – zum ZWERGENAUFSTAND!
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Das Leben war so gefährlich, er konnte nicht mit der Angst leben. Konnte es da schaden, einfach ein paar entlastende Opfergaben einigen bösen Geistern darzubieten, um seine Angst zu lindern und damit vielleicht sogar das Schicksal zu beeinflussen? Schließlich konnte niemand wissen, ob das Schicksal auf diese Art beeinflussbar war. Wenn es nicht so war, so bewegte sich der Zwerg eben ab und zu etwas zu umständlich, kickte einige Steine in den Untergrund seines Dorfes und wirbelte natürlich entstandene Blatt- oder Astformationen durcheinander. Wem schadete das schon?
Und wenn es sogar stimmte, wenn er das Schicksal in dieser Art beeinflussen konnte und somit sein Leben zum Positiven wenden konnte, war er klar im Vorteil!
Ganz nebenbei ging es ihm auch selbst besser, wenn er seine Rituale Tag für Tag erledigte. Das Leben wurde sicherer! Weniger angstbelastet!
Warum sollte er es sich also nicht leichter machen? Es war alles schon schwer und kompliziert genug im Leben. Er hatte noch unzählige Hürden vor sich und gerade deswegen war seine Zukunft schwieriger und bedrohter, als es bei den meisten Zwergen in seinem Umfeld war.
Ungewöhnliche Gegebenheiten erforderten vielleicht auch ungewöhnliche Vorgehensweisen.
Er war sich unschlüssig und zog das große Buch der Zwerge einmal mehr zu Rate, suchte darin nach einigen passenden Zeilen.
AUGEN AUF!
Freiheit sollen sie Dir bringen,
verbessern jegliches Gelingen!
Wolken sollen sie vertreiben,
Deine Horizonte weiten!
Silberstreif am Himmel sein,
befreien Dich vom Klotz am Bein.
Besänftigten das Schicksal auch,
beruhigen das Gefühl im Bauch.
Auch böse Geister sollen sie
besänftigen stets irgendwie,
dass sie nicht mehr im Kopf rumspuken
schließen alle tiefen Luken,
die ansässig im Seelenschiff,
sie sollen nur beschützen Dich.
Doch Augen auf und schau was stimmt,
komm sieh Dir an, was man Dir nimmt!
Frei bist Du schon lang nicht mehr,
gelingen will’s Dir nicht so sehr.
Wolken ohne Unterlass
machen Horizonte nass!
Silber wird zu Wüstensand,
und Dein Bein verliert den Stand.
Schicksal kann es nicht aufhalten,
Gefühle lässt es nur erkalten.
Und willst Du wirklich böse Geister
die klebrig wie Tapetenkleister,
tatsächlich auch noch bei Dir halten,
damit auch alles bleibt beim Alten,
sie Dich verfolgen Tag und Nacht,
wann haben sie Dir Glück gebracht?
Luken schießt es – sicherlich –
doch neue Luken öffnen sich.
Der Fluch dringt in die Seele ein,
er bricht ihr noch das zweite Bein.
Das erste hatte Angst zerlegt,
das zweite wird nun auch zersägt.
Du baust auf falsche Freunde auf,
betreibst den Seelenausverkauf,
vor Deiner Seele ist Gestänge
denn Zwänge treiben in die Enge!
Der Autor hatte leicht reden – oder besser gesagt schreiben.
Schließlich war er sicherlich nicht in einer solch verworrenen und verwebten Situation, in welcher sich der Zwerg gerade vorfand.
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So fuhr der Zwerg nun mit dem Massentransportmittel und blickte neidisch zu all jenen, die dort draußen in ihren eigenen oder der Bank gehörenden Gefährten saßen und selbständig umherfuhren. Die hatten es gut! Sie brauchten nicht auf den garantiert verspäteten Bus zu warten, nicht in der Kälte zu stehen, sich vor allem nicht in den vollen Bus zu drängeln. All dies blieb ihnen erspart. Welch glückliche Zwerge!
Doch Moment – schoss es ihm durch den Kopf. Warum tat er es ihnen nicht gleich?
Er besaß sowohl eine Erlaubnis, ein Fahrzeug zu steuern, als auch das dazugehörige Gefährt. Aus welchem Grund also setzte er sich nicht einfach in seinen Wagen und fuhr zum Unterricht?
Unfall! Verletzung! Tod! Panikattacke! Herzinfarkt! Schlaganfall! Schwindel! Nasenbluten! Hyperventilieren! Kein Parkplatz! Stau! Panne! Aggressive Autofahrer! Streit! Schlägerei!
Eine volle Gedankenbreitseite traf seine Seele und sie suchte verzweifelt Deckung im Stadtbus!
Warum sollte er sich all diesen Gefahren aussetzen? Aus welchem Grund? Er wollte sich weder selbst ums Leben bringen, noch unnötige Risiken eingehen. Warum also all dies auf sich nehmen?
„Bist Du denn von allen guten Geistern verlassen!“, tönte es vom inneren Schweinehund, der zähnefletschend vor der Seele stand.
„Frag nicht, warum Du es nicht tun sollst, sondern frag Dich, weshalb Du es tun musst!“
Die Seele hatte blitzschnell den Hörer des roten Telefons aufgehängt, der Bauch drehte sich, um von allem nichts mehr mit zu bekommen und der Angsthase galoppierte durch das Zwergeninnere, dass es nur so krachte. In jeden Gedankenstrang biss er hinein wie in eine sattorangene Karotte und infizierte alles mit der Angsthasen-Gedankenpest. Auch der Kopf wurde von allerlei bösen Gedanken überflutet. Ein wahrer Horrorfilm lief in ihm ab, der gut und gerne die Kinos hätte füllen können.
A gravestone for a young gnome…
Ein Grabstein für einen jungen Zwerg…
Hauptdarsteller:
der Zwerg – als der Zwerg
der Tod – als der Autounfall
and last, but not least…
das Auto – als die Selbstmordwaffe
Regisseur: der Angsthase
Maske und Kulisse: der Kopf
Drehbuchautor: der Geisterwolf
Co-Autoren: der Geisterfuchs, die Geisterschlange
… ab sofort im Grübelkino, Hinter dem Hippocampus 1!
Das Grübelkino – hier sitzt man vor der ersten Reihe!
Moment! Alles sprach dagegen, jenem Horrorstreifen die Möglichkeit einer Erfüllung zu bieten.
Doch was, wenn der Zwerg es nicht tat? Wenn er nicht fuhr?
Eine dicke Mauer mit Zinnen tat sich vor dem Zwerg auf.
„Dies ist kein Haus vom Nikolaus! Es ist die Wand der Geisterhand! Die bösen Geister haben uns beschossen, uns attackiert und infiziert! Nun schneiden sie uns den Weg ab!
Seid ihr denn vollkommen blind?“, fragte der Schweinehund und erst jetzt blickten Kopf, Seele und Bauch näher hin.
Daran konnte sie auch nicht der Hoppelhase hindern, der mit seinen Hinter- und Vorderbeinen allerlei fiese Tritte verteilte.
Und eines mussten sie zugeben! Der Schweinehund hatte Recht! Die bösen Geister spukten einmal mehr durch den Zwerg hindurch und hatten erneut engagierte Unterstützung durch Kollege Angsthase.
Was nun?
Ganz klar! Sie mussten die Gedankenbomben entschärfen, ehe weitere explodierten und den Zwerg zur Flucht veranlassten.
Nur wie?
Auch dies war eindeutig! Sie konnten den Sprengstoff nur entschärfen, wenn sie mit allerlei Gegenfeuer antworteten.
Entsprach der Gedanke den Tatsachen? Wie wahrscheinlich war es, mit einem Auto im Stadtverkehr tödlich zu verunglücken? Und dies bei seiner überaus vorsichtigen Fahrweise?
Es war möglich – sicher!
Doch es war auch durchaus denkbar, dass unter seinem sicher geglaubten Haus eines Tages die Erde auftat, eine gewaltige Magma-Blase zum Vorschein kam und das gesamte Haus mitsamt den Bewohnern in die Tiefe
zog.
Es war auch möglich, dass es zu einem intergalaktischen Konflikt kam, bei dem eine fliegende Untertasse dem Zwerg direkt auf den Kopf fiel. Und fliegende Untertassen flogen bekanntlich dermaßen schnell, waren üblicherweise deutlich umfangreicher und schwerer in ihrer Bauweise als ihre aus Porzellan bestehenden Namensvettern, dass selbst ein Helm oder gar eine Ritterrüstung keinen wirklichen Schutz bieten konnten.
Und dann waren da ja auch noch die Meteore, die vom Himmel fielen. Traf einer von ihnen den Zwerg am Kopf, dann hatte der Zwerg auch ausgezwergt.
Risiken gab es immer! Doch wie wahrscheinlich waren sie?
Sicher war ein Autounfall wahrscheinlicher als ein Einschlag eines intergalaktischen Brockens auf seinem Kopf. Doch warum sollte ausgerechnet ihm jetzt ein tödlicher Autounfall passieren?
Schlaganfall? Herzinfarkt?
Er war beinahe 23 Jahre. Da hatte sich schon allerlei abgelagert, wo es nun absolut nichts zu suchen hatte. Man konnte nie wissen…!
Doch es fuhren Zwerge im Alter von 80 Jahren jeden Tag in der Stadt herum, unternahmen Weltreisen. Was wollten die schon sagen?
Schlägerei? Sicher konnte ihm auch das passieren, doch er war ein nachgiebiger Zwerg. Und im Zweifel würde er einfach wieder zurück in sein Auto steigen und nach Hause fahren. Gleiches galt für die Eventualität, dass er wider Erwarten keinen Parklatz finden könnte.
Nasenbluten? – Wozu gab es Taschentücher?
Schwindel? – Notfalls würde er einfach stehen bleiben! Er fuhr ja auf keiner Autobahn und außerdem hatte er bisher noch nie Schwindel hinter dem Steuer verspürt.
Ebenso konnte er ja einfach stehen bleiben, sollte sein Auto nicht mehr funktionieren. Irgendwer würde ihm schon helfen und wozu hatte er immer ein Handy dabei?
Blieb nur noch die Angst vor der Angst. Doch auch hierfür fand er eine Antwort. Er würde die Angstgeister in Schach halten. Schließlich hatte er auch die Fahrprüfung unbeschadet überstanden. Warum sollte er nicht auch die Fahrt überstehen?
Er würde es durchziehen, wie er schon so viel einfach angepackt und erfolgreich vollendet hatte! Schluss! Fertig! Dabei blieb es! Widerstand war zwecklos!
Wenn er jetzt nicht den Mut fasste, sich den bösen Geistern in den Weg stellen, würde er ihnen neuen Raum geben. Und das wollte er nun absolut nicht!
Also hatte er an dem Saft der Weisheitsmöhre gekostet und wollte noch mehr davon. Möhren waren bekanntlich gut für die Augen, die dem Zwerg nun langsam aufgegangen waren.
Doch wie hieß es so schon? Viele Hasen sind der Möhre Tod. Also bedeutete das, den Angsthasen möglichst von den Karottenfeldern fern zu halten, was dem Schweinehund sehr große Freude bereitete.
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Was hatte er nur dabei gedacht, als er sich als Kandidat auf die Liste einer Partei wählen ließ? War er denn vollkommen von allen Sinnen gewesen?
Von allen Sinnen sicherlich nicht – aber der siebte Sinn hatte ihm wohl deutlich gefehlt. Denn hatte er doch die eigene Seele mit Füßen getreten! Welch eine abgrundtiefe Dummheit hatte er sich da erlaubt? Sicher war die Seele sauer und hatte deshalb den Hörer einfach ausgehängt und neben das Telefon gelegt.
Ein weiterer Versuch des Kopfes, die Seele zu erreichen, ließ wie zur Bestätigung erneut das Besetzt-Zeichen ertönen und der Kopf beschloss, die Seele vorerst in Ruhe zu lassen.
Am morgigen Tage würde der Zwerg wieder einen Termin bei seinem Geisterjäger-Lehrer haben – einen der letzten Termine, die ihm die Kranken-Kasse zugestanden hatte. Und sicher kannte sich dieser auch mit Seelen und anderem unsichtbaren Gebilden aus.
Der Zwerg sollte Recht behalten. Denn der Therapeutenzwerg kannte sehr wohl die Seele und hatte auch bald eine Erklärung für das Erlebte.
Man nannte es auch Derealisierung oder Depersonalisierung. Noch nie gehört – hatte der Kopf beschlossen. Und es war auch so. Was konnten diese Begriffe nur bedeuten?
Nun, die Derealisierung – so erklärte der Therapeutenzwerg – war eine Verschiebung der Wahrnehmung. Man erfasste zwar alles sehr gut, was um einen herum passierte. Doch man nahm es nicht mehr bewusst war.
Die Depersonalisierung bedeutete in etwa das Gleiche. Man konnte seinen Körper bewegen, ihn steuern, ohne dass Außenstehende etwas davon merkten, dass der Körper eigentlich gar nicht als der Eigene gespürt wurde.
Verrückt! Absolut verrückt! – dachte der Zwerg. War er nun endgültig übergeschnappt? Hatte sich sein Dachschaden nun schon zu einem gewaltigen Loch erweitert?
War der Sprung in der Schüssel zur Schüssel in einem Sprung geworden?
Und war das Brett vorm Kopf zum Balken geworden?
Nein! Er war nicht verrückt geworden!
Es war eine völlig normale Reaktion! Das besagte auch das große Buch der Zwerge, das auch einen Platz beim Therapeutenzwerg genoss.
Unvertraut
Meine eigne dicke Haut
ist mir gänzlich unvertraut.
Fremde Bilder ziehn vorbei,
wie ein Film – bin nicht dabei!
Ausgezogen – weit entfernt!
Gastrolle – hab’s nie gelernt!
War nur Hauptdarsteller hier,
und hab gewohnt ganz tief in mir!
Ganz komisch fühlt sich das heut an!
Ich glaub, dass es nicht sein kann!
Ein Kinofilm in echter Welt?
Ein Schauspieler, der nicht gefällt?
Der sich nicht vorbereitet hat?
Der Lampenfieber auch noch satt?
Und der nicht weiß, wie ihm geschieht?
Warum er rennt, vor was er flieht?
Er läuft so schnell es geht davon
- nur vor sich selbst – welch blanker Hohn!
Vor beinah’ allem kann er flüchten,
nur vor sich selbst – das geht mitnichten!
Ein Blick ins tiefste Innere,
der offenbart das Schlimmere!
Die Seele war nicht mehr bereit
zu harren eine längre Zeit,
in einer tief besorgten Lage,
so war’s für sie gar keine Frage,
auszuziehen, auszufliegen
und den Kopf dadurch zu rügen.
Endlich jener irren Lage,
jenem Knebelzwangsvertrage,
abzuschwören, zu entfliehn,
vor der Gefahr weit weg zu ziehn.
Den Druck der Dampflok abzulassen,
den Start nicht länger zu verpassen.
Die Seele feuerte sie an,
obwohl sie gar nicht fahren kann,
wenn der Kopf die Bremse zieht,
damit der Zug ihm nicht entflieht.
In einem solch prekären Fall,
riskiert der Kopf den großen Knall.
Nie darf der Kessel explodieren,
vorher muss etwas passieren.
So schien es auch der Seele klar,
das ihre Flucht nun sinnvoll war.
Und als die Seele ausgeflogen,
war die Welt gänzlich verbogen.
Ohne Seele ist ein Zwerg
ausschließlich ein halbes Werk.
Das kann es nicht sehr lange geben,
ein seelenloses Zwergenleben!
Drum sollt der Kopf erst alle fragen,
eh er beginnt dick aufzutragen.
Er sollte erst einmal verhandeln,
eh er es wagt den Grat zu wandeln,
der nach dem Machtwort letztlich folgt,
sonst ist die Seel’ ihm nicht mehr hold.
Seine Seele! Der Unbekannte vierte Flüchtling war in Wahrheit der bekannte Dritte Alliierte! So eine falsche Bazille! Hatte ihn einfach im Stich gelassen! Den Kopf und den Bauch! War sie denn von allen guten Geistern verlassen worden? Oder… von allen bösen besucht!!!
Schnell eilte der Kopf erneut ans Telefon und versuchte Kontakt zur Seele aufzunehmen.
Wieder nahm keiner den Hörer ab und das monotone Tuten ließ den Kopf beinahe aus der Haut fahren. Doch das war, was der Gesamtzwerg momentan am wenigsten gebrauchen konnte. Nachdem die Seele geflüchtet war und nun schwieg konnte die Wohnstätte von Kopf, Seele und Bauch es nicht auch noch gebrauchen, wenn er kopflos wurde.
Also riss sich der Denker zusammen und begann zu lesen, zu grübeln und zu philosophieren.
Wie konnte es überhaupt sein, dass die Zwergenseele einfach ihre Hülle verließ. Das war doch absolut undenkbar! Und vor allem völlig verrückt!
Würde der Zwerg neben seiner Seele bald auch noch den Verstand verlieren? Es war doch nicht normal, dass einem einfach mal so die Seele abhanden kam und man sich fühlte, wie in einem völlig falschen Film. Wobei man sich selbst dabei gar nicht mehr wirklich fühlte.
Doch Moment! Es gab Berichte über Mitzwerge, denen es ähnlich ergangen war. Beispielsweise nach einem Unfall! So rannten einige seiner Artgenossen nach einem Crash mit dem Auto – der Zwergengott beschütze ihn persönlich vor einem solchen Schicksal – doch tatsächlich beinahe orientierungslos über die Autobahn, waren aber voll und ganz bei sich, die Grundmechanismen ihres Körpers funktionieren. Sie standen eben nur unter Schock und damit neben sich. Das war alles.
Ähnlich war es ihm ja ergangen.
Doch warum?
Hatte er die Seele tatsächlich überfordert? Hatte er sie durch seine vorschnellen Entscheidungen einfach vor vollendete Tatsachen gestellt, mit denen sie letztlich weder umgehen wollte noch umgehen konnte?
Es war schon dreist, was der Kopf seiner Alliierten da angetan hatte. Und er empfand es als äußerst wichtig, dass er sich bei seiner Kollegin in aller Form dafür entschuldigte.
Wenn sie doch nur endlich einmal ans Telefon gehen würde…!
So trabte der Zwerg unse(e)lig und fast automatisch weiter zu seinem Ausbildungsbetrieb...
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