Psychische Erkrankungen

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Angst ist ein Gefühl einer ganzen Palette von Empfindungen, zu denen Mensch und Tier fähig sind.

Eigentlich ist die Angst etwas sehr Sinnvolles. Denn sie führt dazu, dass wir in gefährlichen Situationen nicht den Helden spielen und etwas aufs Spiel setzen, sondern in der Regel entweder flüchten oder im Extremfall angreifen.

Für beides kann der Körper enorme Kraftreserven innerhalb von Sekunden aktivieren. Diese Fähigkeit hat schon manchem Steinzeitmenschen das Leben gerettet. Denn hätte dieser damals nicht die Flucht ergriffen, wenn ein riesiger Säbelzahntiger oder ein anderes Raubtier ihn angegriffen hätte, dann wäre die Art Mensch heute wohl schon ausgestorben.

Also, halten wir fest: Die Angst an sich ist ein lebenswichtiges Gefühl. Wir brauchen sie tagtäglich, sie sichert unser Überleben.

Versetzen wir uns nun in einen Briefträger. Er läuft seine seit 20 Jahren gleiche Route, steckt in jeden Briefkasten die Tagespost hinein und… plötzlich schießt ein Hund aus der nahen Toreinfahrt, steht die Zähne fletschend vor ihm und hat knurrend die Ohren angelegt.

Eine Schrecksekunde lang macht der Briefträger wohl gar nichts, ist wie gelähmt.
In dieser Zeit jedoch geht im Körper des Betroffenen sprichwörtlich die Post ab. Ein wahres Feuerwerk läuft über die Nervenbahnen ab, das Gehirn gibt über die Bioimpulse an die Nebennierenrinde den Befehl via Datenautobahn Rückenmark, die Hormonproduktion zu steigern.
Das Nebennierenmark schüttet Adrenalin aus. Dieses erreicht rasch jede Zelle des Körpers.
Der Herzschlag wird beschleunigt, die Atmung intensiver, damit mehr Sauerstoff vom Körper aufgenommen wird.
Die Leber beginnt blitzschnell mit dem Abbau von Glykogen zum Traubenzucker, der auch Glucose genannt wird.
Dieser natürliche Kick sorgt dafür, dass die Stoffwechselvorgänge beschleunigt werden. Die Zellen werden besser mit Sauerstoff beliefert, ihre Leistungsfähigkeit nimmt zu – besonders jene von Gehirn und Muskeln.
Die Pupillen erweitern sich, um möglichst viel zu sehen und so dafür zu sorgen, dass der Körper so schnell wie möglich reagieren kann.
Natürlich finden noch andere Stoffwechselvorgänge während einer solchen Schrecksekunde statt. Doch lassen wir es dabei einmal bewenden, da eine genauere Umschreibung den Rahmen sprengen würde.

Daher nun wieder zurück zur Situation. Unser Briefträger zuckt zurück und bereitet sich abwartend auf die Reaktion des Hundes sowohl auf Flucht als auch auf Abwehr eines Angriffes vor.
Doch schon vernimmt er einen Pfiff.
>Schnuffi, kommst du hier her!<. Eine Frau kommt herbeigelaufen und nimmt den Hund an die Leine.
>Na, das wird aber Zeit. Der Hund ist ja gemeingefährlich!<, sagt der Briefträger in lautem Ton. Die Hundebesitzerin entschuldigt sich. Ihr Hund sei einfach herausgelaufen, als sie die Tür geöffnet habe, um nach der Post zu sehen.

Die Hundehalterin geht zusammen mit Schnuffi wieder zurück ins Haus, während der Briefträger weiter die Post verteilt. Sein Adrenalin-Spiegel sinkt wieder ab, der Blutzuckerspiegel ebenso.

Dies war jetzt eine normale Reaktion. Für kurze Zeit hatte der Briefträger Angst, der Körper bereitete sich blitzschnell auf Flucht, Abwehr oder Angriff vor.

Doch was ist in folgendem Fall?
>Papa, ich will da hoch.<, sagt der kleine Peter zu seinem Vater und deutet auf den alten Turm einer Burg. Eigentlich will der Vater nicht, doch er möchte seinem Sohn diesen Wunsch nicht abschlagen. Schließlich hat er heute Geburtstag.

Also geht er widerwillig durch die schmale Eingangstür und blickt die schmalen, ausgetretenen Steintreffen hinauf. Etwas mulmig ist ihm schon. Aber er folgt seinem Sohn in luftige Höhen.
Der Aufstieg durch den engen Treppengang ist mühsam. Schweiß bildet sich auf der Stirn des Vaters.
Endlich sind beide oben angelangt. Der kleine Peter rennt gleich zum Geländer, das vor dem Hinabstürzen schützen soll und blickt in die Ferne.
Sein Vater eilt hinterher und schaut – am Metallgitter angelangt – in die Tiefe.
Schier in diesem Moment wird ihm schwindelig. Er hält sich krampfhaft am Sicherheitsgeländer fest, noch mehr Schweiß bildet sich auf seiner Stirn.

Seine Knie fühlen sich an, als würden sie jeden Moment unter der Last des Körpers nachgeben. Verzweifelt klammert er sich förmlich an dem Metallgitter fest und packt seinen Sohn. >Peter, komm, wir gehen wieder runter. Papa geht’s nicht so gut.<.
Papas Herz rast und er hat das Gefühl, jeden Moment in die Tiefe zu fallen – das verschweigt der Mann hier seinem Sohn.

Also gehen beide wieder hinunter und auf diesen Schreck trinkt Papa erst einmal ein Glas Limonade – kauft seinem Sohn natürlich als Trost ein Eis…

Hier erkennt man eindeutig keine direkte Gefahr, auf die hin eine solche körperliche Reaktion in der Regel erfolgt.
Einzig der Gedanke des Vaters, er könnte in die Tiefe fallen, hat hier die Symptome ausgelöst. In diesem Falle handelte es sich um Höhenangst.
Und jene wird zwar von einer örtlichen Begebenheit ausgelöst – jedoch besteht keine direkte Bedrohung für den Verängstigten. Denn ein Geländer war schließlich vorhanden, ein Hinabstürzen wäre unwahrscheinlich gewesen.

Höhenangst, Platzangst, soziale Angst, Prüfungsangst oder die Angst vor bestimmten Tieren (wenn sie einem nicht gerade bedrohen) möchte ich in dem Oberbegriff „krankhafte Angst“ zusammenfassen.
Bei einer solchen so genannten „krankhaften Angst“ gibt es keine direkte Bedrohung.
Solche Ängste, so genannten Phobien, können die verschiedensten Symptome hervorrufen. Schwindel, Herzrasen, Atembeschwerden (Hyperventilieren), kalte Hände und Füße sowie Kribbeln darin, schwarz werden vor den Augen, weiche Knie, Zittern, Kälte/Hitzeschauer, starkes Schwitzen, Sehstörungen, und die Entstehung von Angstschweiß können Symptome einer so genannten Angst- bzw. Panikattacke sein. Oft jedoch treten die einzelnen Symptome zusammen auf.

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